Mit Algen optimal versorgt in der Schwangerschaft – Interview mit Kirstin Knufmann (Pure Raw)

Heute möchte ich mit euch ein Interview teilen, auf das ich mich schon lange freue: Kirstin Knufmann, die Gründerin von Pure Raw erzählt uns jede Menge zum Thema “Mit Algen optimal versorgt in der Schwangerschaft!”

Ich hoffe, euch inspiririert und begeistert dieses Interview genauso sehr, wie es mich der Kontakt zu Kirstin in den letzten Monaten inspiriert hat!

Liebe Kirstin, du bist die Gründerin von PureRaw, beschäftigst dich seit nunmehr 10 Jahren mit der roh-veganen Ernährung und bist eine absolute Expertin auf dem Gebiet. Vor drei Jahren hast du das Buch “Algen – das gesunde Gemüse aus dem Meer” veröffentlicht und außerdem bist du seit fünf Jahren selbst Mutter und weißt somit auch bestens darüber Bescheid, wie man sich (roh-)vegan in der Schwangerschaft und Stillzeit ernährt und versorgt. Ich bin selbst derzeit im zehnten Monat schwanger (und Mutter einer vierjährigen Tochter) und freue mich sehr, heute ein wenig von deinem Wissen teilen zu dürfen!

Erstmal die Grundlagen vorweg: Algen sind ja nicht gleich Algen! Wenn man sich die Produkte bei euch im PureRaw Shop anschaut, sehen sie sehr unterschiedlich aus: weißes Pulver, grünes Pulver, türkises Pulver – und dann wieder welche, die aussehen, wie die Algen, die man von der Ostsee am Strand her kennt und als ganze “Blätter” verkauft werden. Wo liegen die Unterschiede?

Algen sind sehr vielfältig. Sowohl in den Inhaltsstoffen, vom kulinarischen Geschmack, als auch von ihrer Beschaffenheit. Es gibt beispielsweise Rot-, Grün, Blau- und Braunalgen. Chlorella ist z.B. eine echte Pflanze. Spirulina hingegen ein echtes Bakterium. Trotz allem werden sie unter dem Begriff „Alge“ zusammengefasst. Man sieht also wie weitreichend diese Definition ist.

Ganz grob werden Algen unterteilt in Makro- und Mikroalgen. Makroalgen sind marine Algen und entsprechen klassischer Weise das was man mit Algen in Verbindung bringt. Mikroalgen sind mikroskopisch klein. Sie sind mit bloßem Auge nicht zu erkennen. Ihre bekanntesten Vertreter sind Chlorella und Spirulina. Chlorella beispielsweise ist ca. so groß wie ein rotes Blutkörperchen. Im Vergleich dazu kann eine Art des Kelp (Makroalge) bis zu 60 m erreichen.

Alge ist also nicht gleich Alge. So unterschiedlich wie ihre Herkunft und/oder Beschaffung sind auch ihre Einsatzmöglichkeiten. Nur einige wenige Algen werden als Nahrungsmittel verwendet.

Algen wachsen 10-30 Mal schneller als Landpflanzen und können auf Flächen kultiviert werden, welche für die Landwirtschaft nicht zur Verfügung stehen. Viel Potential also! Und nur einer von vielen Gründen das Thema Algen als Nahrungsmittel der Zukunft intensiver zu betrachten.

Jede dieser Algen hat ihre ganz eigenen Vorteile und kann spezifisch eingesetzt werden. Kann man trotzdem allgemein sagen, dass Süßwasser-Algen besser für die eine Sache sind und Salzwasser-Algen besonders gut für etwas anderes?

Süßwasseralgen und Algen marinen Ursprungs haben aufgrund ihrer Herkunft unterschiedliche Nährstoffe anreichern können. So liefern marine Algen beispielsweise, ja nach Art in unterschiedlicher Konzentration) Jod. Mikroalgen enthalten üblicherweise kein Jod.

Je nach Alge können folgende wertvolle Inhaltsstoffe drin stecken: viele Mineralien (z.B. Kalium, Kalzium, Magnesium, Eisen, Phosphor), Spurenelemente, Antioxidantien, Vitamine (z.B. A, B1, B2, B5, B6, B9, B12, E), Protein, Umami, Ballaststoffe.

Diese enorme Vielzahl macht Algen zu einem unglaublich wertvollen Lebensmittel.

Generell ist bei Algen jedoch zu sagen, dass sehr auf die Qualität geachtet werden soll. Seriöse Anbieter geben hierzu, durch Analysen, Auskunft. Um sicher zu gehen ist es am einfachsten beim Hersteller anzufragen.

In der Schwangerschaft steigt ja bekanntlich der Nährstoffbedarf einiger Vitamine und Mineralien. Ich möchte auf einige der wichtigsten Nährstoffe eingehen – insbesondere solche, die in der veganen Schwangerschaft zu beachten sind: Jod, Kalzium, Eisen, Vitamin B12 und Omega-3-Fettsäuren. Fangen wir mit Jod an; da ist es naheliegend, dass Algen gut unterstützen können, aber was genau würdest du einer schwangeren, vegan lebenden Frau empfehlen, täglich einzunehmen – und warum?

Jod ist immer ein wichtiger Bestandteil unserer Ernährung. In Europa wird meist zu wenig Jod konsumiert, weshalb häufig jodiertes Speisesalz verwendet wird. In Makroalgen kommt dies in unterschiedlicher Konzentration ganz natürlich durch die Anreicherung während des Wachstums der Alge vor. Braunalgen enthalten beispielsweise deutlich mehr Jod als Rotalgen. Bei PureRaw haben wir den Jodgehalt/Charge, als freiwillige Angabe, immer mit aufgeführt.

Aktuell gibt es in Deutschland keinen verbindlichen Wert für die tägliche Jodmenge. Es gibt jedoch Empfehlungen für u.a. Erwachsene: 200 Mikrogramm μg /Tag, Schwangere: 230 μg /Tag und Stillende: 260 μg /Tag.

Eine ausreichenden Jodversorgung in der Schwangerschaft trägt u.a. zur Entwicklung des Fötus, dessen Hirnentwicklung, des Wachstums, sowie der Schilddrüsenfunktion bei. So kann das Risiko von Entwicklungsstörungen, Missbildungen und Fehlgeburten verringert werden.

Es ist daher ratsam den steigenden Bedarf an Jod, während der Schwangerschaft und Stillzeit, über eine ausgewogene Ernährung unbedingt mit einzubeziehen und entsprechend die Ernährung anzupassen. Dies tut Mutter und Kind gut.

Der Kalzium-Bedarf steigt zwar in der Schwangerschaft kaum an, aber Kalzium ist ja für viele Veganer generell ein Thema – und so natürlich auch in der Schwangerschaft. Kann man allein mit Algen seinen Kalzium-Bedarf decken und sich somit in der Schwangerschaft auf der “sicheren Seite” fühlen?

Der empfohlene Wert für Kalzium liegt bei einem durchschnittlichen Erwachsenen, während der Schwangerschaft und Stillzeit gleich bei 1000 mg/Tag.

Kalzium ist in Makroalgen wie z.B. der Wakame, welche in Asien klassisch während der Schwangerschaft, Stillzeit und für Kinder zur Versorgung mit Kalzium verwendet wird. Die Kalziumalge selbst, wie ihr Name schon sagt enthält natürlicherweise einen hohen Anteil an Kalzium (32g/100g). Damit decken 2,5g Kalziumalge tatsächlich 100% des täglichen Bedarfs an Kalzium eines Erwachsenen.

Zu Beginn meiner 2. Schwangerschaft war mein Eisenwert sehr stabil und hoch, aber mit Beginn des siebten Monats schrumpfte mein Eisenspeicher plötzlich sehr drastisch. Mein Eisen-Level im Blut war nach wie vor okay, aber meine Hebamme riet mir, mich um den Eisenspeicher zu kümmern. Wie können mir Algen da helfen?

Die empfohlene Zufuhr an Eisen liegt bei einem durchschnittlichen Erwachsen bei 10-15 mg/Tag. In der Schwangerschaft bei 30mg/Tag und während der Stillzeit bei 20 mg/Tag.

Mikroalgen wie z.B. Chlorella, Spirulina und auch Makroalgen wie Nori, Meeresspaghetti, Wakame, etc. enthalten Eisen und liefern einen wertvollen Beitrag zu einer gesunden Ernährung und Versorgung auch in der Schwangerschaft.

Chlorella ist nicht nur eine Wunderalge, wenn es um den Eisenspeicher geht, sondern hat noch sehr viel mehr zu bieten! Warum würdest du jeder Schwangeren empfehlen, täglich Chlorella zu nehmen, selbst wenn diese keine Probleme mit ihrem Eisenwert hat?

Chlorella ist eine mikroskopisch kleine, einzellige Grünalge und ein unglaubliches Lebensmittel. Vollgepackt mit Nährstoffen zählt sie für mich zu einem der wertvollsten Lebensmittel und kommt bei mir täglich auf den Speiseplan (auch in der Schwangerschaft). Wichtig ist hier, wie vorab erwähnt, immer die Qualität der Alge, welche maßgeblich durch die Anbaumethode beeinflusst wird.

Chlorella enthält ca. 50% Protein. Zudem liefert sie u.a. viel Folsäure, Eisen, Beta Karotin, Lutein, Chlorophyll, β-1,3-Glucan (aktiver Immunstimulator, Radikalfänger, senkt Lipidspiegel im Blut), E-Zimtsäure (Antioxidantien) und Alpha-Linolensäure (ALA, eine essentielle Omega-3-Fettsäure).

Je nach Anbaumethode kann sie den höchsten Gehalt an Vitamin B12 enthalten. Vitamin B12 ist wichtig für die Zellteilung, Blutbildung und trägt zu einer normalen Funktion des Nervensystems, sowie des Energiestoffwechsels und Immunsystems bei.

Noch eine letzte Frage zur Chlorella: ihr seid die ersten, die es geschafft haben, eine Chlorella-Alge auf den Markt zu bringen, die einen garantierten Vitamin B12 Wert aufweist. Das ist ziemlich revolutionär und beeindruckend! Kannst du uns darüber ein wenig mehr erzählen? Und würdest du diese Chlorella-Alge auch für Schwangere und Stillende als einzige B12-Quelle empfehlen?

Chlorella gehört für mich zur täglichen Ernährung dazu. Gerade jedoch in der Schwangerschaft können mit Chlorella viele Nährstoffe über die Ernährung zugefügt und aufgenommen werden.

Tatsächlich sorgt sie sogar, durch die verstärkte Ausleitung von Dioxinen, Pestiziden und anderen Umweltgiften dafür, dass in der Muttermilch weniger Dioxine enthalten sind und dass durch Chlorella der Transfer von Dioxinen von der Mutter zum Fötus über die Plazenta während einer Schwangerschaft um rund 30% reduziert werden kann.

Die Chlorella aus Deutschland, welche wir anbieten, enthält natürlicher Weise sehr viel Vitamin B12. So dass mit ihr über 3g/Tag 120% des Tagesbedarfs Vitamin B12 abgedeckt sind.

Bei der besonders Vitamin B12 reichen Chlorella, reichen sogar nur 1,2g/Tag um 100% des Tagesbedarf an Vitamin B12 zu decken. Dies ist eine echte Innovation, da bisher Supplemente für B12 synthetisch hergestellt wurden. Die Chlorella hingegen ist ein rein natürliches Produkt und enthält in diesem Falle 3 Cobalamine, welche zu 100% für den Körper bioverfügbar sind.

Und nun noch zu den Omega-3-Fettsäuren. Die meisten wissen ja, dass Fische deswegen so viel Omega-3 in sich haben, weil sie viele Algen essen. Aber können wir Menschen auch unseren Bedarf an Omega-3-Fettsäuren, insbesondere der “kritischen” Fettsäuren wie DHA und EPA, mit dem Verzehr von Algen decken?

Einige Algen sind eine optimale Quelle für Omega 3. Chlorella z.B. enthält Alpha-Linolensäure (ALA, eine essentielle Omega-3-Fettsäure). Unter den richtigen Bedingungen kann der Körper aus ALA in einem gewissen marginalen Maße EPA und DHA selbst umwandeln.

Mikroalgenöl ist im Vergleich zu Fischöl ebenso effektiv. Jedoch stellt es eine nachhaltigere und unbelastetere Quelle dar. Damit ist Mikroalgenöl eine gute Quelle für Omega 3 Fettsäuren, welche auch in der Schwangerschaft und Stillzeit zu empfehlen sind. Der Bedarf an Omega 3 Fettsäuren lässt sich mit Mikroalgenöl sehr gut abdecken.

Zum Schluss noch eine Frage zu deiner eigenen Erfahrung als Schwangere: hast du in deiner Schwangerschaft bereits alles gewusst, was du hier heute mit uns teilst? Und warst du mit deinen Blutwerten stets zufrieden?

Während meiner Schwangerschaft habe ich schon Einiges gewusst und umgesetzt. Da sich ständig neue Erkenntnisse und Wissen generiert und ich sehr aufgeschlossen bin für Neues und fundiertes Wissen, habe ich gerne dazu gelernt. Z.B. Astaxanthin (eins der stärksten natürlichen Antioxidantien) und Kalziumalge (Rotalge: lithothamnium calcareum), hatten wir damals noch nicht im Sortiment.

Astaxanthin wirkt vielfältig und reicht u.a. von einem verbesserten UV-Schutz, hat entzündungshemmende Eigenschaften, Immunstärkend, fördert die Leistungsbereitschaft und wirkt positiv beim Metabolischen Syndrom.

Beide nehme ich seit gut 2-3 Jahren und bin sehr begeistert. Sicherlich hätte ich dieses damals auch während einer Schwangerschaft genommen. So habe ich mich damals gut versorgt mit Bewegung und einer ausgewogenen Ernährung, bei der ich in Bezug auf Algen u.a. Chlorella, Spirulina und Makroalgen (z.B. Nori, Kombu, Dulse, Meeresspaghetti, etc.) integriert habe.

Meine Tochter ist mittlerweile ein riesen Algen-Fan und liebt es mit Algen zu kochen und zuzubereiten. Oft hat sie von der Chlorella einen grünen Mund, weil sie diese wie Bonbons lutscht. Und greift oft genug beherzt in die Nori Tüte als Snack.

DANKE liebe Kirstin für dieses wundervolle, informative Interview!

Alle hier erwähnten Algen und Kirstin Knufmanns Buch gibt es auf pureraw.de

This blog post contains names of/pictures of/weblinks to brands and hence, is perceived advertisement. I was not paid for the post and all opinion is my own.

Share
Folgen:

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

4 Kommentare

  1. Juni 1, 2019 / 8:44 pm

    Sehr spannend, vielen Dank für das tolle Interview! Und ein garantierter B12-Wert, das sind natürlich sehr gute Nachrichten. Was Algen nicht alles können 🙂
    xx Rena