Kaiserschnitt versus Hausgeburt – meine Erfahrungen

Vor vier Jahren wurde mein erstes Kind per Kaiserschnitt auf die Welt gebracht – vor vier Tagen hatte ich eine Hausgeburt! Kaiserschnitt versus Hausgeburt: was sind meine Erfahrungen? Heute möchte ich mit euch teilen, wie ich beide Geburten erlebt habe und wie es mir mit den beiden so komplett unterschiedlichen Geburten geht.

Als ich vor vier Jahren erfahren habe, dass mein erstes Kind in Beckenendlage liegt, habe ich natürlich zunächst ALLES versucht um eine natürliche Geburt trotzdem möglich zu machen: alle alternativen und weniger alternativen Optionen, um das Kind zu einer Drehung zu motivieren und schließlich ein MRT um mein Becken vermessen zu lassen: denn nur wenn es soundso breit ist, darf man hier in Leipzig natürlich gebähren, wenn man ein Beckenendlagen-Baby hat. Nun mein Becken ist laut drei verschiedenen Krankenhäusern, bei denen wir vorgesprochen haben, zu schmal und es wurde mir nicht erlaubt natürlich zu entbinden. Es stand also irgendwann fest: Kaiserschnitt muss sein.

Das war für mich sehr hart! Es gab absolut nichts, was ich weniger wollte, als einen Kaiserschnitt. Zum Glück hat es mir das Krankenhaus dann doch einfacher gemacht als ich befürchtet hatte: ich fuhr extra in ein Krankenhaus außerhalb der Stadt, weil das das einzige war, wo ich mein Kind direkt auf die Brust gelegt bekommen würde, nachdem man es aus mir rausgeschnitten hat (üblich ist, dass der Vater mit dem Kind in den Kreißsaal geht, weil es dort wärmer ist, während die Mutter zugenäht wird). Dort hatte ich eine wirklich ganz, ganz wunderbare Ärtztin, die alles mit mir durchsprach und mit mir auch den Termin festlegte (wie das Schicksal so will, genau das Datum, das ich die ganze Zeit im Kopf hatte, wenn ich an die Geburt unserer Tochter gedacht habe). Und mir wurde auch ein wirklich nettes Familienzimmer zugesichtert. So weit so gut. 

Am Geburtstag meiner Tochter fuhren mein Mann und ich früh um 4Uhr mit dem Taxi zum Krankenhaus und ich wurde für die OP “vorbereitet” – da ich vorher noch nie als Patientin im Krankenhaus war, hatte ich keine Ahnung, was da auf mich zukommt und als jemand so eine Transfusionskanüle (oder wie das heißt) an meinen Arm legte, fragte ich ihn “wie lange muss die denn dranbleiben?”. Da herrschte er mich an “ein Kaiserschnitt ist kein Spaziergang, die bleibt so lange dran, wie wir sie brauchen!”. Da war ich kurz den Tränen nahe, aber zum Glück war das wirklich der einzig wirklich blöde Moment im Krankenhaus. Als nächstes wurde ich dann nämlich in den OP gebracht (wo mein Mann in grünem Gewand auf mich wartete) und für die OP vorbereitet. Während ich betäubt wurde, unterhielt ich mich mit der tollen Ärtztin und der ebenso tollen Hebamme und wir scherzten und lachten zusammen – es war eine wirklich gute Stimmung im OP und ich hab die ganze Zeit als sehr angenehm in Erinnerung.

Als man mir mein Baby zeigte rief ich laut aus “wow, die ist ja total schön!” und der ganze OP lachte. Meine Tochter wurde also wirklich in einen lachenden Raum geboren und das finde ich irgendwie sehr schön 🙂

In etwa 40 Minuten wurde ich wieder zugenäht und diese ganze Zeit im OP war wirklich angenehm und fröhlich und kein bisschen mit Schmerzen oder Anspannungen verbunden. Auch danach im Kreißsaal war es sehr schön – meine Tochter nuckelte sofort fröhlich los und ich war guter Dinge.

Als ich dann allerdings mit meinem Mann und Baby im Familienzimmer lag und die Betäubung nachließ, da merkte ich, dass ein Kaiserschnitt tatsächlich kein Spaziergang ist: ich hatte Schmerzen wie noch nie in meinem Leben – und zwar tagelang!

Ja, die Geburt per Kaiserschnitt mag einfach, schnell und unkompliziert sein, aber was danach kommt ist eine enorme Herausforderung!

Heute ist mein fünfter Tag im Wochenbett – vor vier Jahren wurde ich am fünften Tag aus dem Krankenhaus entlassen. Ich konnte immernoch kaum gehen vor Schmerzen, jede Bewegung tat weh – ich wollte nicht husten, niesen, stehen, gar nichts. Mir wurden fünf Tage lang Schmerzmittel per Transfusion ins Blut gepumpt und ich hatte trotzdem Schmerzen (während mein Baby ein tolles Medi-Cocktail zur Begrüßung ins Leben bekam). Ich kam am fünften Tag nach hause und weinte einen ganzen Nachmittag lang. Ich war fix und fertig von den Schmerzen, davon, dass ich NICHTS allein konnte (nicht mal mein Baby wickeln! Geschweige denn tragen) und von den ersten sehr kurzen Nächten im Krankenhaus (vor Aufregung konnten mein Mann und ich fünf Nächte nicht schlafen!).

Nach zehn Tagen konnte ich zum ersten Mal das Haus verlassen und auf den Grünstreifen gegenüber unserer damaligen Wohnung spazieren (unter Schmerzen). Nach 14 Tagen mussten wir mit unserer Tochter zum Orthopäden – einmal die Straße runter. Normalerweise eine Distanz von ca. 6-8 Minuten. Wir brauchten 30 Minuten und ich hatte immernoch Schmerzen.

Kurz gesagt: es war nicht leicht! Ich leidete unter den Schmerzen aber noch viel mehr daran, dass ich so untätig war. Und daran, dass ich – obwohl ich nun ein Kind hatte – nicht im “Club der gebährenden Frauen” war. Ich hatte es nicht erlebt, wie es sich anfühlt ein Kind auf die Welt zu bringen. Ich hab mich nur hingelegt und es wurde mir rausgeschnitten.

Unter dieser Tatsache litt ich die ersten zwei Lebensjahre meiner Tochter sehr – so sehr, dass ich sogar eine Therapiestunde zu dem Thema nahm. Mittlerweile bin ich mir sicher, dass alles gut ist, genauso wie es ist und ich bin dankbar für die Erfahrungen, die ich machen durfte – besonders jetzt, wo ich wieder im Wochenbett bin und diese mit meinen Erfahrungen von vor vier Jahren vergleichen kann. Bei der “Geburt” im OP stellte sich heraus, dass meine Tochter nicht nur in Beckenendlage lag, sondern auch eine sehr kurze Nabelschnur hatte. Vermutlich wäre eine natürlich Geburt tatsächlich gar nicht möglich gewesen, unter diesen Umständen. Sie wusste schon, was das Beste für sie war 🙂

Nun habe ich vor vier Tagen meinen Sohn bei uns zu hause im Wohnzimmer auf die Welt gebracht. Nach meinen zwei Fehlgeburten war die erneute Schwangerschaft natürlich sowieso schon ein Geschenk ohnegleichen und ich hatte seit der fünften Woche sehr engen Kontakt zu meiner Hebamme. Die gesamte Schwangerschaft hindurch fühlte ich mich gut behütet und aufgehoben und machte mir über die Geburt auch tatsächlich überhaupt keine Sorgen. Es kam mir gar nicht in den Sinn, dass mein Sohn sich auch für einen Kaiserschnitt entscheiden könnte. Als sich der Termin näherte fieberte ich zunächst bei jeder Wehe gespannt mit; geht es jetzt endlich los? Aber ich hatte zwei Wochen lang sehr intensive und viele Vorwehen, ohne dass es zu Geburtswehen kam. Am Ende war ich 13 Tage über den errechneten Termin und die Zeit lief mir davon: ab 14 Tage über Termin wird einem eine Einleitung im Krankenhaus sehr vehement von der Medizin ans Herz gelegt (also eigentlich muss man eine machen oder man macht sein komplett eigenes Ding)!

Nun also eine neue Angst: was, wenn ich doch ins Krankenhaus muss? “Machen wir nicht!” sagte mein Mann ganz klar; und da entspannte auch ich wieder. Wir machen das so, wie es sich für uns gut anfühlt und basta – so unsere Einstellung. Zum Glück mussten wir nicht durch die Feuerprobe, da am 12. Juni abends um 22:30 Uhr die “echten” Wehen losgingen und ich sieben Stunden später, morgens um 5:37 Uhr meinen Sohn im Arm halten durfte!

Eine natürliche Geburt, egal ob im Wohnzimmer oder im Krankenhaus, ist ebenfalls kein Spaziergang, genauso wenig wie ein Kaiserschnitt, aber dennoch empfand ich sie als so unendlich viel schöner!

Ich war zu hause, hier wo ich jeden Zentimeter kenne, wo ich genau weiß, wo was ist, was ich brauche … die ersten Stunden der Wehen blieben mein Mann und ich allein. Ich nahm ein Bad, wir redeten in den 2-3 Minuten langen Wehenpausen und freuten uns einfach sehr, dass es nun endlich losging. Ich dachte non stop “ich liebe meine Wehen!”weil ich so glücklich war, dass es nun endlich los ging. Um 2:30 Uhr kam dann meine Hebamme mit der zweiten Hebamme (die ich auch bereits kannte), aber die beiden hielten sich im Hintergrund und ließen meinen Mann und mich allein im Wohnzimmer “arbeiten”.

Die Eröffnungsphase einer Geburt ist (in der Regel) die längste und ich fand sie absolut in Ordnung – ja, Wehen schmerzen (bei den meisten Frauen), aber man weiß bei jeder Wehe, dass sie in ein paar Sekunden wieder vorbei ist und dass man dann wieder zwei Minuten Ruhe hat. Durch dieses Wissen, konnte ich jede Wehe sehr gut aushalten.

Irgendwann untersuchte meine Hebamme mich (ich weiß nicht mehr wann) und sagte mir, dass mein Muttermund jetzt 2cm geöffnet sei. Da dachte ich “oh je, das ist ja nichts! Das wird ja noch ewig dauern”! Aber meine Hebamme versicherte mir, dass das großartig sei und dass es nicht mehr lange dauern würde – sie hatte recht. Etwa 1 1/2 Stunden später kamen plötzlich ganz andere Wehen, sehr viel intensiver aber dafür mit etwas längeren Pausen. Ich dämmerte in den Pausen weg und gewann so Kraft für die nächste Wehe. Wenn die Wehe kam, war es hart und ich begann mich darauf vorzubereiten, dass das noch nicht der intensivste Schmerz ist, den ich in dieser Nacht spüren würde.

Danach ging es plötzlich sehr schnell – die Fruchtblase platze, meine Hebamme schlug mir eine Position für die Geburt vor (ich dachte immer, ich mach das Ganze in der Hocke aber in der Hocke war viel zu viel Druck da, also legte ich mich auf die Seite) und gefühlte fünf Minuten später war mein Sohn da (in echt waren es glaub ich eher 15 oder 20 Minuten…).

Die Geburtswehen waren absoluter Wahnsinn! Ja schmerzhaft, aber irgendwie so absolut genial gewaltig. So gewaltig, dass ich einfach nur komplett baff war, von dem was mein Körper da gerade – gefühlt völlig allein – machte. Das Gefühl wie sich ein Baby durch den Geburtskanal drängt und schließlich plötzlich – plopp – aus einem herauskommt ist nicht von dieser Welt. Da ist man für eine kurze Zeit auf einem anderen Planeten und kann einfach nur stauen, was auf diesem Planeten möglich ist!

Kaum das mein Sohn meinen Körper verlassen hatte schaute ich die Hebamme völlig perplex an und fragte “Das war es jetzt? Das war es wirklich?”. Ich konnte es kaum glauben! Und als sie sagte “ja, das war es! Du hast es geschafft!” da war mein erster Gedanke “Wow, das war hart, aber das könnte ich sofort nochmal machen!”. Da musste ich ein wenig über mich selbst lassen.

Wunderschön war alles, was jetzt kam: mein Baby wurde mir auf den Bauch gelegt, die Nabelschnur durfte in Ruhe auspulsieren und blieb dran, bis ich ca. eine halbe Stunde später im Bett lag. Ich gebar die Plazenta ca. 15 Minuten später mit meinem Baby im Arm, ging dann rüber ins Schlafzimmer und legte mich ins Bett. Alles war da, alls war so vertraut. Alles war so wunderschön!

Ich hatte während der gesamten Geburt nicht eine Sekunde lang angst. Ich fühlte mich so aufgehoben: alles war so normal! Unser Wohnzimmer war da, mein Mann war da, die Hebamme, die ich gut kannte, war da. Es war eine irgendwie normale Situation: nur dass ich ein Kind gebahr. Ich zweifelte nicht eine Sekunde daran, dass alles gut gehen würde – dafür ging alles viel zu glatt, zu unkompliziert und auch zu schnell. Da war keine Zeit für Zweifel, ich war mit meinen Wehen beschäftigt oder damit in den Pausen zu schlafen oder zu scherzen. Die Stimmung war die ganze Zeit über entspannt, locker, fröhlich – irgendwie einfach so ganz normal!

Und heute – am fünften Tag im Wochenbett sitze ich aufrecht im Bett und schreibe dies. Es geht mir blended, keine Schmerzen, keine Probleme. Meinem Sohn geht es ebenfalls sehr gut, hat schon zugenommen schläft gerade friedlich neben mir!

Ich bin unendlich dankbar für die Erfahrung einer Hausgeburt, dafür dass ich die Urgewalt einer Geburt erleben durfte. Unendlich dankbar! Aber ich bin auch dankbar für meinen Kaiserschnitt: dafür, dass er es meiner Tochter ermöglicht hat auf die Welt zu kommen ohne evt. an einer zu kurzen Nabelschnur im Geburtskanal stecken zu bleiben, dafür dass ich erleben und erfahren durfte, dass ein “Kaiserschnitt-Kind” auch ein absolut genial gutes Imunsystem haben kann, als Baby genauso friedlich sein kann, wie ein Hausgeburts-Baby und sich mehr als optimal entwickeln kann (ja, meine Tochter ist enorm toll 😀 ).

 

Ich hoffe, dieser kleine Bericht ist für euch interessant und vielleicht für den ein oder anderen auch inspirierend!? Er liefert natürlich nur einen kleinen Einblick in all das, was ich erleben durfte, daher: falls ihr Fragen zum Thema Kaiserschnitt oder Hausgeburt und meinen Erfahrungen habt, dann beantworte ich sie sehr gerne!

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2 Kommentare

  1. Louise
    Juni 17, 2019 / 8:46 pm

    Ach ich freu mich, dass du zwei so unterschiedliche, aber letztlich gute Geburtserfahrungen machen durftest! Freu mich schon auf ausführlichere Berichte <3