Ein Jahr mit dem Wohnmobil auf Reisen – ein Rückblick und meine Learnings

Gute zwölf Monate haben wir zu viert auf 16m2 gelebt: in unserer fahrenden kleinen Wohnung sind wir über Frankreich nach Spanien gereist und haben den Corona-Lockdown in Portugal verbracht. Seit einer Woche sind wir nun wieder zu Hause. Wie geht es uns nach einem Jahr unterwegs? Was haben wir gelernt? Darum geht es in meinem heutigen Post.

Ich nehme es gleich schon vorweg: in den letzten zwölf Monaten sind wir häufiger an unsere Grenzen gekommen, als jemals zuvor und gleichzeitig hatten wir mehr wunderschön unvergessliche Momente, als jemals zuvor! Genau deswegen war dieses Jahr auf Reisen so unglaublich bereichernd für uns und wir haben so viel über uns und darüber, wie wir leben möchten, gelernt.

Ein wenig davon möchte ich heute teilen: einige ganz banale Kleinigkeiten, andere tiefgehendere Dinge. Ich mische sie hier einfach, so dass sich jeder Leser das mitnehmen kann, was gerade passt 🙂

1. Weniger Platz bedeutet NICHT weniger Chaos

Fangen wir mal mit etwas ganz Banalem an: ich dachte ja, dass es einfach sein wird, 16m2 sauber und ordentlich zu halten und hatte mich vor der Reise darauf gefreut, weniger im Haushalt machen zu müssen. Pustekuchen! 16m2 sind schneller unordentlich und dreckig als ich blinzeln kann und aufgeräumt und sauber war unser Wohnmobil eigentlich immer erst abends um 22Uhr, wenn die Kinder in ihren Betten lagen … und dann so ungefähr bis 8Uhr morgens.

Ich hatte das Gefühl, dass man eigentlich permanent saubermachen und aufräumen muss – aber dafür war uns unsere Zeit auf Reisen natürlich zu schade 😉

Ganz ehrlich: das Chaos hat mich irgendwann ganz schön genervt und ich genieße es jetzt sehr, wieder entspannte 75m2 zu haben auf denen man Dinge so verteilen kann, dass es immer relativ ordentlich aussieht und immer genug Platz ist.

2. Man kann nicht vor seinen Problemen wegfahren

Wenn man auf so eine große Reise aufbricht, neigt man ja irgendwie dazu zu denken “wenn wir unterwegs sind, wird alles automatisch anders”. Tja. Ist leider nicht so! Nur weil man sich auf 16m2 verkleinert und die Wohnung plötzlich Rollen hat, bleiben die Themen, die man mit sich herumträgt trotzdem die gleichen … nein, sie spitzen sich sogar zu! Auf 16m2 kann man sich nicht aus dem Weg gehen, man hat sehr viel weniger Ruhe und Zeit für sich und man wird defintiv häufiger gefordert und aus der Komfort-Zone geholt. Das bedeutet: Probleme die man sowieso schon hatte, spitzen sich noch weiter zu.

Das Gute daran: man ist endlich gezwungen die Probleme anzuerkennnen, sich mit ihnen auseinanderzusetzen und sie so schließlich zu lösen!

3. Der Süden fängt erst hinter den Pyrenäen an

Ich dachte ja immer Süd-Frankreich sei exotisch und “im Süden” aber nach acht Monaten in Spanien und Portugal habe ich festgestellt: selbst Südfrankreich erinnert noch sehr viel mehr an Deutschland als an Portugal oder Spanien.

Meine Süden-Grenze ist hinter die Pyrenäen gerutscht; erst hier ist ein deutlich anderes Klima, andere Vegetation und ein anderer Flair in der Luft.

4. Das Leben im Wohnmobil ist kein Urlaub

Okay, das war mir auch vorher schon klar, aber so richtig verstanden habe ich es erst auf unserer Reise: das Leben im Wohnmobil ist definitiv kein Urlaub, denn ständig gibt es irgendwas zu organisieren, planen, herauszufinden: wo können wir Wäsche waschen, wo einkaufen, wo kriegen wir Wasser her, wo können wir die Toilette leeren und vorallem: wo schlafen wir?

Jetzt wo ich wieder zu Hause bin, merke ich auf einmal wie unglaublich erholsam es sein kann, wenn diese Fragen einfach alle beantwortet sind; und wie viel Zeit auf einmal da ist. Plötzlich kommt mir das zu Hause sein ziemlich erholsam vor … fast wie Urlaub!

5. Manchmal muss man erstmal weg um anzukommen

Wir haben diese Reise gemacht, weil wir unsicher waren, wo und wie wir leben möchten: auf dem Land, in der Stadt, in Portugal oder doch in Deutschland? Kinder auf die Schule oder doch Homeschooling? Haus oder kein Haus? Vielleicht gar ein Leben auf Reisen?

Und was soll ich sagen: wir haben alle Antworten gefunden! Und dafür lohnt sich so eine Reise defintiv sehr sehr sehr! Jetzt, wo wir wieder hier sind, ist die Sehnsucht nach irgendetwas anderem verschwunden: immer haben wir überlegt “wo ist der richtige Ort für uns?” “wo fühlen wir uns wohl?” und jetzt wissen wir: wir fühlen uns überall wohl! Es ist letztendlich völlig egal, wo wir leben, solange ein paar Eckdaten stimmen. Wir verspüren keine Sehnsucht nach irgendeinen Traum-Ort. Wir sind einfach angekommen und glücklich.

6. Zu Hause ist, wo du entspannen kannst

Es gibt ja viele Definitionen von Zuhause … meine ist die obige. Auf der Reise habe ich mich an den Orten zu Hause gefühlt, wo ich komplett entspannen konnte: wo ich sicher war, dass die Polizei uns nicht gleich wieder wegschickt (wir stehen in der Regel frei), wo keine anderen Camper einen ständig im Blick haben (Campingplätze sind defintiv nicht unser Ding 😀 ), wo wir bleiben können, so lange wir wollen, wo wir frei waren zu und zu lassen, was wir wollten und wo im Idealfall noch eine gute Kinder-Beschäftigung war. 

Es gab solche Orte auf unserer Reise und es gibt jetzt hier in unserer Wohnung diesen Ort.

7. Wir sind ein echt gutes Team!

Mein siebtes Learning von einem Jahr unterwegs mit zwei kleinen Kindern: wir sind als Familie ein echt richtig gutes Team! Wir sind in den letzten zwölf Monaten durch so viele Herausforderungen gegangen, haben so viel erlebt, gelernt, geweint und gelacht: und das alles immer zusammen!

Mein Mann und ich sind ein wirklich super gutes Team, aber auch die Kinder und wir sind einfach ein tolles Team.

Ich glaube, wenn man kein richtig gutes Team ist, dann macht so eine Reise keine Freude 😀

So, das wären jetzt erstmal sieben Learnings aus dem Jahr unterwegs im Wohnmobil – vielleicht werden es nochmal zehn, aber für heute erstmal diese sieben.

Würden wir so eine Reise wieder machen? Defintiv! Würden wir sie anders machen? In ein paar Punkten schon – wir sind jetzt einfach schlauer, als vor einem Jahr!

Warst du schonmal so lange unterwegs? Resonieren meine Learnings mit dir? Schreibe mir gerne hier in den Kommentaren oder auf Instagram!

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2 Kommentare

  1. Lou
    September 28, 2020 / 11:41 am

    Urlaub im Alltag und Alltag im vermeintlichen Urlaub… wie schön 🙂 Danke für deine Learnings!
    Und guter Cliffhanger… was ihr wohl alles anders machen würdet, solltet ihr genau jetzt noch einmal losfahren? 🙂

    • September 30, 2020 / 6:40 pm

      Hehe, tjaaaaa… das verrate ich dann irgendwann in einem anderen Post 😀