Über Nachhaltigkeit

Ich weiß, dass ich nicht allein bin, wenn ich jetzt schreibe, dass ich als Bloggerin manchmal angegriffen werde. Ich finde das im Großen und Ganzen auch okay. Kritik kann ja auch durchaus konstruktiv sein. Dennoch ist mir aufgefallen, dass es ein Muster gibt, wann und wie ich kritisiert werde und ich muss zugeben, dass es mich erstaunt, was an mir kritisiert wird und was nicht. Ich könnte es zum Beispiel absolut nachvollziehen, wenn jemand die schlechte Qualität meiner Fotos kritisiert oder das langweilige Layout meines Blogs. Von mir aus auch mein Schreibstil oder dass ich zu wenig Text schreibe oder was auch immer. Was ich allerdings schwieriger finde, nachzuvollziehen ist es, wenn ich dafür kritisiert werde, dass ich der Meinung bin, dass Kinderarbeit verboten gehört. Und deswegen schreibe ich heute mal ein paar Gedanken zum Thema Nachhaltigkeit…

Ja, mir wurde also tatsächlich schon ein paar Mal vorgeworfen, dass es ziemlich arrogant und überheblich sei, wenn ich schreibe, dass Kleidung die von Kindern gemacht wird, verboten gehört und dass ich es nicht akzeptabel finde, solche Kleidung zu promoten. Es ist schließlich so, wurde mir gesagt, dass sich viele Leute eben nichts anderes leisten können, als günstige Kleidung.

Ein weiterer Kritikpunkt der häufig kommt ist der, dass ich nicht regional/saisonal esse. Wenn ich frische Heidelbeeren oder Ananas in meinen Stories poste, kann ich mir sicher sein, dass ich dafür angegriffen werde.

Das eine und das andere sind zwar zwei verschiedene Paar Schuhe aber trotzdem hängen beide mit meinem Nachhaltigkeits-Ansatz zusammen. Ich sehe total ein, dass ich, wenn ich einen Blog habe, der sich um nachhaltiges Leben dreht (ja, eigentlich “bewusstes Leben” aber das eine geht mit dem anderen einher), auch eine gewisse Verantwortung habe, entsprechenden Content abzuliefern. Es ist aber auch einfach so, dass ich für mich eine Definition von einem nachhaltigen Lebensstil gefunden habe, die für mich gut realisierbar ist und die zu meinen Lebensumständen passt. Das heißt, dass ich NICHT perfekt bin. Übrigens; wie niemand da draußen. Große Überraschung vermutlich. Ja, niemand ist perfekt und trotzdem ist es leicht einander zu kritisieren, denn man möchte ja auch immer selbst gut dastehen.

Wie auch immer. Was ist denn nun eigentlich Nachhaltigkeit für mich und wieso esse ich Kiwis obwohl sie nicht im Garten wachsen?

Ich habe mich mit dem Thema Nachhaltigkeit ziemlich lange und intensiv auseinandergesetzt und mir ist ziemlich schnell klargeworden, dass „wirkliche“ Nachhaltigkeit in unserer Gesellschaft nur dann funktioniert, wenn man aus dem System austritt. Denn man kann eigentlich nichts konsumieren, wenn man wirklich nachhaltig leben möchte. Für jedes Konsumgut werden Ressourcen verbraucht und Ressourcen zu verbrauchen ist nicht nachhaltig, denn Ressourcen sind endlich und somit gibt irgendwann keine mehr. Egal ob man nun Ökostrom bezieht, bei einer Ökobank ist, Öko-Kleidung kauft und Öko-Essen isst – man verbraucht trotzdem Ressourcen und ist mit verantwortlich für den Schwund dieser Ressourcen. Der Trecker des Biobauern braucht Sprit, das Bio-Shirt muss hergestellt werden, die Bank braucht Filialen, der Strom muss von Maschinen produziert werden etc.

Wirkliche Nachhaltigkeit geht daher meiner Meinung nur, wenn man komplett aussteigt. Keine Briefe mehr bekommt, keine Rechnungen, bei keiner Bank ist, nur selbst anbaut, nur selbst Kleidung aus recycelten Materialien herstellt usw.

Für mich war klar, dass das keine Option ist. Also habe ich überlegt, wie ich stattdessen irgendwie mit einem okayen Gewissen leben kann. Daraufhin habe ich mir genauer angeschaut, was denn die drei größten Umweltverschmutzer auf dieser Welt sind. Was die drei größten Industrien sind, die für den Klimawandel verantwortlich sind, für die Verpestung der Flüsse, für die Verpestung des Grundwassers, für die Verpestung der Luft…

Die drei größten Umweltverschmutzer sind die Ölindustrie, die Tier-Industrie und die Fashion-Industrie. Schlagt das gerne nach, ich habe es so in verschiedenen Stellen gefunden (u.a. Spiegel, Zeit…).

Nachdem ich das wusste war mir klar, dass ich diese big three genauer ins Auge nehmen sollte. Der ganze Rest spielt natürlich auch eine Rolle, aber ich will mich eben auf die drei größten konzentrieren. Denn damit mache ich einfach den größten „impact“ wie man so schön sagt.

Also zunächst die Öl-Industrie. Auto fahre ich sowieso nicht, das war also einfach. Flugzeug schon schwieriger. Ich habe mich dann aber vor drei Jahren schweren Herzens dazu entschieden nur noch maximal ein Mal im Jahr zu fliegen (ich war vorher sehr oft, gern und viel im Ausland unterwegs). Das war ein harter Schritt, aber mir war es das wert. Also nur noch maximal ein Flug im Jahr und Auto sowieso nicht. Ich fahre jetzt eben öfter mit dem Zug ins europäische Ausland und das ist ja auch schön. Die Öl-Industrie ist natürlich letztendlich auch die Plastik-Industrie und so war es klar, dass ich meinen Plastik-Konsum einschränken muss. Das habe ich Dank super Bioladen um die Ecke auch schon ganz gut geschafft, muss aber auch ehrlich sagen, dass ich da sehr viel besser sein könnte. Mein Job macht es mir noch etwas schwerer, weil ich da viel mit Lebensmitteln in Plastikverpackung zu tun habe und auch viel Musterware in Plastik bekomme – die ich dann trotzdem gerne essen und in unserem Hausmüll entsorge. Das Gute bei Plastikmüll in Deutschland ist natürlich, dass immerhin ein Teil recyceltet wird. Schweden kauft übrigens schon Plastikmüll ein, weil deren Recyclinganlagen nicht genug bekommen und sie mehr brauchen und effektiv zu laufen. Plastik ist also definitiv ein Problem, aber leichter zu lösen, als z.B. Flugzeug-Abgabe aus der Luft zu filtern.

Die Fashion-Industrie. Was für Unmengen an Wasser und Chemikalien in konventionelle Kleidung gehen ist einfach unvorstellbar. Das die Arbeiterinnen in Bangladesch, Äthiopien und co nicht nur viel zu lange und zu viel für viel zu wenig Geld arbeiten, ist die eine Seite. Dass sie auch früh an Krebs sterben ist die andere. So viel Chemie hält kein Körper lange aus, ohne krank zu werden. Ständig laufen hunderte von Verfahren gegen die Industrie, Sammelklagen von kranken Arbeiterinnen und Arbeitern; aber niemand hört sie. In Indien vergiften und vertrocknen die Flüsse in den Gebieten in denen viele Fabriken stehen, in Vietnam sieht es nicht anders aus. Es war mir sehr schnell klar, dass ich diese Industrie auf keinen Fall unterstützen kann. Ich finde es wirklich grausam ein H&M Shirt für 5€ zu kaufen. Ja, jetzt ist es raus. Ich finde das genauso grausam, wie einem 10 Jährigen Mädchen im vollem Lauf ein Bein zu stellen. Denn letztendlich macht man nichts anderes, wenn man diese Industrie unterstützt. Nennt mich ruhig zynisch, aber ich bin Mutter – und wenn ich mir vorstelle, dass meine kleine Tochter in ein paar Jahren jeden Tag in einer Fabrik unter absolut nicht humanitären Umständen arbeiten muss, dann kommen mir ganz einfach die Tränen. Okay, aber hier geht es um Nachhaltigkeit. Jetzt bin ich kurz emotional geworden. Also, nachhaltig ist konventionelle Mode nicht und da sie unter den Top drei der größten Verschmutzer ist, kommt sie mir nicht ins Haus. Es sei denn ich kaufe etwas Second-Hand, was sowieso das Nachhaltigste überhaupt ist. Denn auch für faire Mode werden Ressourcen verbraucht. Nur was schon da ist und nicht neu produziert werden muss, ist wirklich nachhaltig. Ich nehme übrigens auch nur maximal eine Fair Fashion Kooperation pro Monat an, keine Ahnung ob das schon mal aufgefallen ist. Aber ich will eben auch nicht Unmengen von Fair Fashion Kleidung haben und dann am Ende doch viel zu viel. Mein Kleiderschrank ist auch jetzt, als Bloggerin, genauso groß wie vor 10 Jahren und ich teile ihn mit meinem Mann. Ich achte drauf, was neu reinkommt und ich habe sehr, sehr viel Polyester-Teile aussortiert, so dass in den letzten Jahren auch viel neuer Platz dazu kam (Polyester gibt beim Waschen Mikroplastik ans Wasser ab und dieses Mikroplastik geht dann ins Grundwasser und in unser Trinkwasser, da die Kläranlagen es nicht rausfiltern können. Daher kommt mir kein Polyester mehr ins Haus).

Und schließlich die Tier-Industrie. Man streitet sich ja ob sie nun auf Platz 1 oder auf Platz 2 ist, aber klar ist, dass sie unter den Top zwei der größten Umweltverschmutzer ist. Schaut euch Cowspiracy an (gibt es auf Netflix) wenn euch die Details interessieren. Da ich sowieso schon aus gesundheitlichen Gründen keine tierischen Produkte mehr gegessen habe, war das nicht wirklich eine Challenge der Umwelt wegen auf Tierisches zu verzichten.

So habe ich mich also entschieden diese Top Drei als meine Prioritäten zu setzen und zu nehmen. Ich habe mir ausgerechnet, dass ich den größten Einfluss haben kann, wenn ich nicht Auto fahre, kaum fliege, keine konventionelle Mode kaufe, nichts vom Tier esse oder trinke – und außerdem nur Bio esse. Aber das ist dann schon wieder ein anderes Thema.

Das sind also meine Prioritäten und das bedeutet auf der anderen Seite auch, dass ich mir auch mal Sachen „erlaube“ wie z.B. deutsche Kulturheidelbeeren im Winter, oder eine Ananas (ja, ich weiß Co2 wegen dem Transport ABER eben nichts im Vergleich zu einem in Deutschland hergestellten Käse oder einem Stück Wurst oder einem H&M Shirt!).

Natürlich kann man jetzt wieder kritisieren, dass das faule Kompromisse sind, aber ich bin eben der Meinung, dass es quasi unmöglich ist, perfekt zu sein. Und ich habe diese „Lösung“ für mich gefunden und kann gut mir ihr leben. Ich kann ganz bewusst meine Kiwi und meine Orangen im Winter genießen, weil ich eben weiß, dass der CO2 Verbrauchs des Transports in keiner Relation zu mit dem CO2 Verbrauch von einem Kilo Rindfleisch steht, oder mit dem Wasserverbrauch für eine konventionelle Unterhose.

Soviel dazu 😀

Ich bin gespannt auf eurer Feedback!

 

PS: eine liebe Leserin hat mich gerade noch darauf hingewiesen, dass es ja auch gar nicht darum gehen sollte, perfekt zu sein, sondern einfach darum, dass jeder etwas nachhaltiger lebt. Und das sehe ich ganz genauso. Eigentlich ist es schon auch ziemlich skurril, dass ich mich in diesem Aritkel hier überhaupt dafür verteidige, dass ich nachhaltiger leben möchte…

1 Kommentar

  1. Februar 26, 2018 / 9:34 am

    Puh… Für was man sich nicht alles angreifen lassen muss! Dabei geht es doch genau darum, dass eben jeder ein bisschen was dazu beiträgt. Und nicht jeder muss “perfekt” sein und gewisse Dinge kann man halt nun mal leider auch nicht immer vermeiden. Ohne Auto wäre ich zum Beispiel aufgeschmissen und könnte nicht arbeiten. Aber das heißt ja nicht, dass man dann wenigstens in der Freizeit den Zug nutzen kann…
    Aber das mit der Kinderarbeit und den blöden Kommentaren dazu überrascht mich schon sehr!

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