Über Ernährung – und Selbstliebe

Ich ernähre mich nun schon seit fünf Jahren vegan und seit ca. drei Jahren im Sinne einer Whole Food Plant Based Diet, also einer vollwertigen, pflanzlichen Ernährung. In all dieser Zeit wurde ich so oft auf meine Ernährung angesprochen, wie in den 25 Jahren davor nicht. Im Laufe der Jahre habe ich ein Muster in den Fragen, Anmerkungen und Kritiken an und zu einer Ernährung entdeckt, das ich hier und heute gerne diskutieren möchte.

Zunächst nochmal kurz zu meiner Ernährung: ich esse keine tierischen Produkte und keine stark verarbeiteten Produkte, also nicht sowas wie raffinierten Zucker oder weißes Mehl, außerdem natürlich keine Zusatzstoffe, Farbstoffe, etc.

Ich habe 2015 eine Ausbildung zur Ernährungsberaterin gemacht und habe im Zuge dessen von vegan auf vollwertig pfanzlich geswitcht, habe also stark verarbeitete vegane Lebensmittel aus meinem Alltag gestrichen. Mit dem Thema Ernährung beschäftige ich mich intensiv seit 2013 und habe seitdem (neben meiner Ausbildung zur Ernährungsberaterin) Unmengen Bücher und Studien gelesen. Außerdem habe ich zusätzlich zu meiner Ausbildung ein Zertifikat (Wochenendseminar) zum Thema vollwertige vegane Ernährung erlangt und sporadisch als Ernährungsberaterin gearbeitet (habe den Beruf nie Vollzeit aufgeführt, weil dann meine Tochter zur Welt kam).

Das nur so zu meiner Vorgeschichte in einer Kurzzusammenfasssung 😀

Nun, warum also ernähre ich mich so wie ich mich ernähre? Und warum ernähren andere sich so wie sie sich ernähren? Und was haben eigentlich viele Menschen für ein Verhältnis zu ihrem Essen und zu sich selbst? Um diese Fragen geht es hier heute. Und nein, ich werde euch jetzt nicht aus wissenschaftlicher Sicht erklären, warum welche Art der Ernährung die gesündeste ist und warum Low Carb einem den schnellen Herztod bringt, sondern das Ganze aus einer ganz anderen Perspektive beleuchten…

Nämlich aus der Selbstliebe-Perspektive. Selbstliebe ist ja zur Zeit in aller Munde. Es ist wichtig, zu lernen, sich selbst zu lieben, seinen Körper so zu akzeptieren wie er ist, sich selbst so zu nehmen wie man ist etc. und ich finde auch, dass es sehr wichtig ist, zunächst einmal sich selbst kennenzulernen um dann in einen liebevollen Umgang mit sich selbst zu kommen. Ich bin ja eher ein Fan von dem Begriff Selbstmitgefühl, als Selbstliebe aber das ist wieder ein anderes Thema. Ganz kurz zusammengefasst finde ich einfach, dass es okay ist, wenn man Teile von sich nicht liebt, wenn man trotzdem einen liebevollen, mitfühlenden Umgang mit diesen Teilen hat.

Aber was hat das nun alles mit meiner Ernährung zu tun?

Wenn mich jemand fragt, warum ich mich ernähre, wie ich mich ernähre, dann antworte ich meistens: aus Liebe zu mir selbst.

Alles was wir in unseren Körper tun, hat natürlich einen Einfluss auf diesen Körper. Wenn ich meinen Körper liebe, dann möchte ich ihm Gutes geben. Ich möchte ihn weder mit Alkohol noch mit Pestiziden vergiften, ich möchte ihm nicht die Hormone der trauernden Mutterkuh geben, noch die Schwermetallrückstände aus einem toten Fisch. Ich möchte ihn ehren und liebevoll mit ihm umgehen. Und das tue ich, indem ich ihm Gutes gebe.

Ohne sonst irgendwas in meinem Leben zu ändern, hat sich viel in meinem Verhältnis zu meinem Körper geändert, seit ich mich vollwertig pflanzlich ernähre. Mein Körper bedankt sich für bei mir, indem er frühere Leiden wie Migräne, chronische Blasenentzündung und Gelenkschmerzen hat heilen lassen und mir imens viel mehr Energie schenkt. Ich wiederrum danke ihn, indem ich ihn gebe, was er braucht, um mir zu erlauben, dass Beste aus meinem Leben zu machen.

Unser Körper ist das Zuhause unserer Seele, unserer Persönlichkeit, unsere ICH in diesem Leben. Es ist für mich nicht vereinbar, das Haus meiner Seele respektlos zu behandeln und gleichzeitig zu erwarten, dass es meiner Seele gut geht.

Ich esse also aus Liebe und aus Respekt zu mir und meinem Körper – und meiner Seele, die in ihm wohnt.

 

Insbesondere viele Frauen (jedenfalls kenne ich mehr Frauen, denen es so geht) sehen Lebensmittel als Feind. Essen macht dick und man sollte so wenig wie möglich davon essen. Dann aber am Wochenende Sektflasche nach Sektflasche leeren und das Leben genießen. Wie viel Liebe zu sich selbst steckt da tatsächlich drin? Das frage ich mich oft… kann man sich selbst lieben und sich dabei gleichzeitig bewusst vergiften? Ich würde mich über Meinungen dazu freuen! Ich persönlich kann es nicht. Wenn ich mir Alkohol, Zucker, tote Tiere etc. zuführe, geht es mir schlecht. Körperlich und auch seelisch. Es tut mir nicht gut.

Und ist es nicht ein sehr viel liebevollerer Umgang mit sich selbst, wenn man das Essen liebt, das man isst? Viel zu essen und dabei zu wissen, dass man sich GUTES tut, ist ein wunderbares Gefühl. Ich liebe es zu essen und ich liebe meinen Körper dafür, wie er aus der Nahrung Energie und Ressourcen zieht. Fragt in meinem Bekanntenkreis nach: ich esse sehr viel und ich esse sehr gerne. Das Ganze hat nichts mit Restriktion zu tun, eher im Gegenteil – ich kann essen, geniessen, mein Essen lieben und spüren, wie es meinem Körper gut tut.

 

Als meine Tochter auf die Welt kam (vor genau drei Jahren), da habe ich angefangen darüber nachzudenken, wie ich sie ernähren möchte. Es war klar, dass ich dieses winzige Wesen unglaublich liebe, möglicherweie mehr als irgendjemand sonst auf dieser Welt. Und natürlich wollte ich diesem Menschen, den ich so sehr liebe, nur das Allerbeste geben. In diesem Sinne habe ich mich dann plötzlich gefragt: warum möchte ich mir dann nicht selbst das Allerbeste geben?

Wenn ich meiner geliebten Tochter nur Gutes zu essen geben möchte, weil ich sie so sehr liebe, dann müsste ich doch auch mir nur Gutes geben wollen – sofern ich mich auch liebe!?

Also habe ich Lebensmittel die mich nicht “nähren” aus meinem Speiseplan gestrichen und mich so ernährt, wie ich auch meine Tochter ernähren wollte. So wie ich aus Liebe essen und ernähren würde.

Und so kam ich überhaupt darauf, darüber nachzudenken, dass es mir schwer fällt, zu verstehen inwiefern Selbstliebe und ungesunde Ernährung/Alkohol/Rauchen zusammenpassen. Ich möchte nicht, dass meine Tochter sich an Zigaretten oder Alkohol vergiftet – weil ich sie liebe. Wenn ich mich selbst liebe, dann möchte ich mich auch nicht vergiften!

Hinzu kommt, dass ich körperlich einfach merke, wenn mir etwas nicht gut tut. Bei Alkohol ist es besonders deutlich; ich fühle mich am nächsten morgen nicht so leicht und frisch, wenn ich eine Flasche Sekt getrunken habe, wie wenn ich abends einen bunten Kartoffelsalat gegessen habe. Wenn ich mir bewusst etwas zuführe, von dem ich weiß, dass es mir nach dem Verzehr schlechter geht als vorher, dann ist das für mich auch schwer mit Selbstliebe unter einen Hut zu bringen.

Wenn ich zufrieden mit mir bin, mich wirklich liebe, so wie ich gerade bin, dann habe ich tatsächlich auch gar nicht das Bedürfnis ungesunde Sachen zu mir zu nehmen. Ich bin dann im Einklang mit meinem Körper und wenn der den ganzen Tag grüne Smoothies und Kartoffeln will, dann bekommt er die. Wenn er allerdings den ganzen Tag Schokolade will, dann frage ich mich auch warum. Und meistens ist es, weil ich gestresst bin, es mir schlecht geht etc. Die Ursache liegt also meistens ganz woanders, nicht beim Essen selbst. Wenn ich die Schokolade dann esse, dann geht es mir danach nicht besser, der kurze Genuss hält nur ein paar Sekunden oder Minuten. Danach fühlt sich die Schokolade im Magen schwer an und das Bedürfnis (der Wunsch nach mehr Ruhe, mehr Liebe, mehr Aufmerksamkeit etc.), was mich hat Schokolade essen, ist trotzdem nicht gestillt.

Insbesondere nach meiner Fehlgeburt Ende Februar habe ich oft gehört, ich soll mir jetzt mal was Gutes tun – zum Beispiel mal wieder Zuckerkuchen essen gehen. Und ich habe gedacht, ja warum nicht, ich probiere es aus. Und es tat mir nicht gut. Essen was der Seele gut tut, wie viele sagen, tut nämlich oft einfach nicht wirklich der Seele gut. Na klar, wir alle wurden so erzogen, dass Bonbons und Kuchen – und später das Glas Wein was Besonderes sind und dass man damit belohnt wurde und sich selbst belohnt. Aber tut man sich deswegen wirklich etwas Gutes, wenn man sie zu sich nimmt?

Ich würde mit diesem Text gerne zu einer Diskussion anregen und freue mich über Meinungen zum Thema! Ich weiß jetzt schon, dass viele denken werden “aber man muss sich doch was gönnen/ aber das ist doch total restriktiv/ etc.”. Aber ich fühle mich einfach nicht, als wenn ich mich selbst wirklich liebe, wenn ich meinen Körper Ungesunde Sachen zuführe und ich fühle sehr viel Liebe zu mir, wenn ich ihm Gutes tue.

Ich bin gespannt auf eure Meinungen!

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