Über den Umgang mit negativen Menschen, Enttäuschungen und den eigenen Energieaushalt

Wer kennt das nicht? Familienfeier, blöde Sprüche von jeder Seite, schroffe Bemerkungen zu deiner Karriere/Lifestyle/Kindererziehung/Aussehen etc. Man hält es eine Weile aus, lächelt es weg, denkt daran, dass man positiv denken sollte und isst weiter… wenn dann aber jetzt noch der Ehemann um die Ecke kommt und auch nur den allerkleinsten blöden Spruch bringt, dann könnte es schon sein, dass das Kartenhaus zusammenstürtzt und man in einer dunklen Wolke aus Selbstmitleid, Frust und Genervtsein versinkt. Um da wieder rauszukommen braucht es dann meist eine absolut unerwartete total tolle Überraschung – oder eine Nacht Schlaf damit man am nächsten Tag einen Neustart machen kann.

Kommt dir das bekannt vor? Insbesondere nach den Feiertagen an denen man besonders viele Menschen um sich herum hat, die man vielleicht sonst gar nicht so oft sehen möchte, insbesondere dann frage ich mich oft, wie ich eigentlich umgehen soll, mit diesen negativen Menschen in meinem Umfeld, die es immer wieder schaffen mich runterzuziehen. Und wie ich aus dieser fiesen Stimmung wieder rauskommen kann, in die mich diese Menschen schaffen hineinzuziehen. Manchmal komme ich in allerallerbester Laune zu einem familiären Event und ich habe das Gefühl, ich könnte Bäume ausreißen, so viel Energie habe ich… und dann dauert es fünf Minuten und ich fühle mich müde, schlapp, ausgelaugt und will nur noch nach hause. Das ist zum Glück nicht jedes mal so, aber defintiv öfter, als es mir lieb ist. Und immer und immer wieder frage ich mich dann, was ich tun kann, damit es anders wird.

Warum ich unbedingt was daran ändern möchte? Zunächst tut es meinen Beziehungen zu den Menschen selbst nicht gut. Wenn ich häufig von jemanden genervt bin, dann verbinde ich „genervt sein“ mit der Person und das ist nicht unbedingt angenehm und auch nicht vorteilhaft für einen positiven Umgang mit der Person. Dann zieht es mich runter und das ärgert mich. Ich sehe auch gar nicht ein, warum ich meine gesamte Energie dann für das genervt-sein verschwende, anstatt sie für schöne Sachen zu nutzen. Das ärgert mich meist doppelt ergo noch mehr Frust usw. und außerdem neigen wir Menschen leider dazu, unsere schlechte Laune dann an Menschen auszulassen, die nun wirklich nichts dafür können. Und das finde ich auch sehr unfair.

Ich hatte in den letzten fünf Wochen einige Situationen, die mich immernoch belasten, weil sie mich verletzt haben. Familienangehörige, die einfach sehr unhöflich waren, sehr verletztend oder auch einfach nur rumgemeckert haben und damit eine sehr negative Stimmung verbreitet haben. Das beschäftigt mich immernoch und daher dachte ich, es wird mir ganz gut tun, mir das mal von der Seele zu schreiben. Außerdem habe ich tatsächlich ein paar kleine Mittelchen gefunden, wie ich mit den Personen bzw. den Situationen umgehen kann (oder möchte…denn noch hatte ich nicht überall Gelegenheit).

  1. Menschen, die mich verletzt haben und mich in meinen Gedanken verfolgen

Wenn ich von jemanden verletzt werde, dann verfolgt mich das oft noch monatelang. Es wird besser, wenn ich die Situation und meine Gefühle dazu aufschreibe, aber wenn ich an den Menschen denke, der mich verletzt hat, dann kommen trotzdem immer negative Gefühle hoch. Diese negativen Gefühle ziehen mich runter und rauben mir Energie. Also habe ich nach einem Weg gesucht, wie ich das ändern kann. Und ich habe einen gefunden, der bei mir wirklich sehr gut funktioniert. Denke ich also an Paul (fiktiver Name, ich kennen gar keinen Paul) und merke wie sich mein Bauch zusammenzieht und ich daran denken muss, wie gemein Paul zu meiner Tochter war und ihr (als sie gerade 2 Jahre war) vorgeworfen hat, dass sie dafür verantwortlich ist, dass der Regenwald abgeholzt wird, wenn sie Tofu ist (leider keine fiktive Geschichte sondern wirklich so passiert), dann stoppe ich mich, atme einmal tief durch und denke „lieber Paul, ich wünsche dir Zufriedenheit, ich wünsche dir Liebe, ich wünsche dir Gesundheit, ich wünsche dir, dass du glücklich bist und in Frieden mit dir selbst und deiner Umwelt.“ Das mache ich teilweise drei mal am Tag, auch einfach mal so zwischendurch, wenn ich eigentlich gar nicht an Paul denken musste. Einfach so schicke ich ihm ein wenig Liebe vorbei. Oder anders herum; checke ich wieder bei mir selbst ein. Ich habe damit am 2. Januar angefangen, aus einem Impuls heraus (nachdem ich über Silvester sehr intensive negative Gefühle hatte und ziiiiiemlich frustriert war) und es ist unglaublich, was das bei mir bewirkt. Ich werde sofort ruhiger, mein Herz schlägt langsamer, es kommt sogar ein leichtes Lächeln auf meine Lippen. In hartnäckigen Situationen, sage ich meinen Satz laut, dann wirkt er noch besser. Und manchmal sage ich ihn auch drei mal hintereinander. Aber spätestens dann bin ich ruhig – und zufrieden! Ich bin selbst noch völlig euphorisch, weil es SO einfach ist. Vielleicht funktioniert das nicht bei jedem, aber probier es doch einfach mal aus!? Bei mir funktioniert es absolut gut.

  1. Menschen die ständig nur meckern

Ganz schwieriges Thema. Ich komme damit einfach nicht gut klar. Ich mag es nicht wenn jemand in jeden zweiten Satz „scheiße“ sagt und ich mag es nicht, wenn jemand bei jeder Frage, die ich stelle, mit einem Meckern antwortet. Es entzieht mir kaum etwas so viel Energie, wie Menschen, die nur meckern. Da gibt es bei mir zwei Möglichkeiten. Nummer 1 ist die Person darauf anzusprechen. Schwierig. Ich weiß. Wenn es aber eine Person ist, der man nahesteht und die man oft sieht, dann ist das oft die einzige Maßnahme. Ich habe damit angefangen, dass ich gesagt habe, das ich mir sehr freuen würde, wenn das SCH-Wort in meiner Gegenwart nicht so oft benutzt wird, weil mich das Wort immer ein wenig schlecht gelaunt macht und ich generell nicht so gern fluche. Damit sagt man nicht „du meckerst ständig, das nervt“, sondern man inspiriert einfach erstmal nur andere Wörter zu nutzen. Und das macht tatsächlich oft schon einen großen Unterschied. Denn ob ein Satz „das ist doch total scheiße hier“ heißt oder ob ein Satz „das ist echt blöd hier“ heißt, kommt, zumindest bei mir, einfach anders an. Und man erlaubt damit auch, ohne zu verletzen, darauf aufmerksam zu machen, dass viel geflucht wird. Das hilft oft auch schon viel (a la „das sage ich doch gar nicht so oft… scheiße, was ich das hier? Ach…ups!)! Wenn das allein nichts bringt oder der Gegenüber sich nicht darauf einlässt, dann hilft mir eigentlich nur: den Raum verlassen. Das mag radikal klingen, aber ich möchte mich gerne schützen und wenn ich es nicht schaffe, „bei mir“ und „in meiner Energie“ zu bleiben, wenn die Person in der Nähe ist, dann verlasse ich einfach den Raum. Meistens geht das ganz gut, in dem man sagt „ich helfe mal in der Küche“ oder „ich gucke mal nach den Kindern“ oder an jemand anders gewandt „ich wollte dir unbedingt noch in Ruhe was erzählen, wollen wir uns kurz nach nebenan setzen.“. Anders ist es natürlich, wenn man zusammen beim Essen am Tisch sitzt und nur gemeckert wird. Da kann man nicht so leicht weg. Aber auch hier gibt es Lösungen. Man kann zum Beispiel versuchen, das Thema zu ändern, am besten natürlich auf ein Thema, für das sich Meckerer positiv begeistern kann (wenn man eines kennt). Das ist dann vielleicht langweilig, wenn derjenige, der eben noch gemeckert hat, jetzt begeistert im Detail von seiner Miniatureisenbahn (frei erfunden – niemand in meiner Familie hat eine) erzählt, aber es ist defintiv besser, als das Rumgemeckere.

  1. Menschen, die sich nicht an Abmachungen halten, mich enttäuschen, etc.

Großes Thema. Wie alle diese Themen irgendwie. Aber ja, wie geht man damit um? Der Partner hat etwas versprochen und hält es nicht ein, die beste Freundin hat etwas angekündigt und macht es dann doch nicht, der Bruder, der nicht zum Geburtstag gratuliert, die Tante, die wochenlang nicht auf das Überraschungspaket reagiert, was man ihr geschickt hat. Man hat Erwartungen und diese werden nicht erfüllt. Und das frustriert. Mich zumindest. Wie geht man damit um? Ich übe mich seit Jahren darin, mit Enttäuschungen besser umzugehen und ich bin bestimmt auch schon viel besser, als noch vor drei oder vor fünf Jahren. Aber ich bin immernoch nicht so richtig gut. Es passiert immernoch, dass mich Reaktionen so sehr enttäuschen, dass ich ganz traurig und frustriert werde und den ganzen Tag bleibe. Als erstes hilft da auf jeden Fall meine Taktik aus Punkt 1: „lieber Partner, ich wünsche dir Liebe, Zufriedenheit, Frohsinn, Glück und dass du einfach glücklich bist“ und schon ist da ein liebevolles, warmes Gefühl neben dem fiesen, kalten Gefühl der Enttäuschung. Und dann ist da das große Thema der Selbstreflexion. Warum genau bin ich enttäuscht? Fühle ich mich von meinem Partner weniger geliebt oder weniger ernstgenommen, weil er  zwei Stunden später kommt, als geplant und bin deswegen enttäuscht? Muss ich mich tatsächlich weniger geliebt oder weniger ernst genommen fühlen? Warum fühle ich mich tatsächlich weniger geliebt und weniger ernst genommen, ist da vielleicht noch mehr dahinter usw. oder auch: wollte ich unbedingt ein riesen Danke für mein Überraschungspaket, damit es mir selbst besser geht und ich mich gut fühlen kann? Wollte ich meiner Tante nicht einfach nur eine Freude machen? Brauche ich wirklich ein überschwängliches danke dafür? Reicht es nicht zu wissen, dass sie weiß, dass ich an sie gedacht habe? Usw. Wenn man seine eigenen Erwartungen etwas genauer unter die Lupe nimmt und sich selbst ein wenig hinterfragt, kann es schonmal passieren, dass etwas worüber man gerade noch furchtbar enttäuscht war, plötzlich absolut lächerlich erscheint. Und man kann dem Menschen dahinter auch wieder anders begegnen.

So… das waren jetzt wieder ein Haufen Gedanken. Mir tat es gut sie zu schreiben! Ich hoffe dir auch sie zu lesen!?

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1 Kommentar

  1. Januar 18, 2018 / 3:28 pm

    Ein sehr guter Beitrag mal wieder, liebe Rosa! Ich kann all deine Punkte absolut nachvollziehen, auch wenn ich froh bin, dass es in meiner Familie meist recht harmonisch und liebevoll zugeht. Aber auch da wird natürlich mal gemeckert (und im Freundeskreis auch ganz gerne) und ohne weiteres Nachdenken fiese Sachen gesagt. Und das mit den Enttäuschungen kann ich auch gut nachfühlen. Aber deine Taktik klingt gut, das möchte ich auf jeden Fall gerne ausprobieren.

    Ich drück dich,
    Laura

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