Interview with Daniel Hausmann on Vegan and Organic Farming

 -Post in German –

Today’s post is in German as I am interviewing a farmer from my region. Daniel is one of the first here in Germany who is doing not only organic but actually vegan and organic farming. I went to visit his farm last summer and I was amazed by all the insects and butterflies around!

Those of you who follow my blog since a while know that I personally only eat organic food and only use cosmetics and clothes made from natural and organic materials. This is why I find it SO important to spread the word about organic farming and why I recommend everone out there to eat organic food and support their local farmers!

Daniel, erzähl doch erstmal kurz, wie du überhaupt dazu gekommen bist, bio-veganes Gemüse anzubauen!?

Das ist eine längere Geschichte: Ich bin auf einem Hof aufgewachsen, habe nach dem Abitur eine Lehre als Landwirt auf einem riesigen konventionellen Betrieb angefangen. Das Ganze aber auch schnell wieder aufgehört. Danach bin ich in die soziale Richtung gegangen. Als dann 2012 aber mein Vater an Krebs verstarb, stellte sich für mich die Frage, ob ich den Betrieb übernehme, oder er für immer geschlossen wird. Ich habe mich für den Betrieb entschieden und meine Ausbildung abgebrochen. Im selben Jahr habe ich begonnen, Ökolandbau und Vermarktung zu studieren. Den damals konventionellen Hof haben wir dann 2014 auf Bio umgestellt. Seit 2015 experimentierten wir mit dem Gemüseanbau. Nachdem ich 2016 mein Studium beendet hatte, haben wir die Gemüsefläche von 0,05 auf 0,5ha erweitert und verteilen unsere Biokiste in Leipzig. Da ich mich selbst vegan ernähre, macht es für mich natürlich keinen Sinn, Tiere zu halten und dann kam für mich auch nur bio-vegane Landwirtschaft in Frage.

Im Moment arbeiten wir zu zweit auf dem Hof, bauen auf rund einem Hektar Gemüse und Kartoffeln an, verteilen unsere Kisten in Leipzig und Versenden Überschüsse deutschlandweit per Paket. Auf den restlichen 24ha bauen wir Getreide und Kleegras an.

Bio ist ja auf der einen Seite seit einigen Jahre schon immer mehr im Kommen – auf der anderen Seite sehen viele Menschen immernoch nicht ein, warum es sich lohnt auf bio umzusteigen. Was sind deiner Meinung nach die wichtigsten Gründe, auf bio-Lebensmittel umzusteigen?

Die beiden wichtigsten Gründe, Biolebensmittel zu konsumieren, sehe ich in der Liebe zur Umwelt und zum eigenen Körper. Durch den Verzicht auf chemisch-synthetisch hergestellte Dünger und Pestizide ist Bio einfach ressourcenschonender, erhält die Vielfalt sowohl auf dem Feld als auch auf dem Teller und sorgt damit für eine Welt, in der auch unsere Kinder noch leben wollen. Und ohne Rückstände verschiedener Gifte im Essen, wovon Glyphosat ja nur das Paradebeispiel ist, lebt es sich auch viel gesünder.

Magst du das Thema Umwelt noch vertiefen? Was hast du zum Beispiel bei dir auf dem Hof erlebt? Wie war die Erde als sie konventionell gedüngt wurde? Wie hat sie sich verändert, als du umgestiegen bist? Wie sieht es aus mit den Insekten und der Artenvielfalt?

Die Erde hat sich auf dem Ersten Blick nicht großartig verändert. Vielleicht gibt es mehr Regenwürmer, als vorher. Die meisten Veränderungen sind aber mit dem bloßen Auge auch nicht zu erkennen. Positive Bodenveränderungen sind sehr langwierige Prozesse, die meist über Jahrzehnte stattfinden. Da wir erst gut drei Jahre bio-vegan wirtschaften, ist da noch nicht so viel auszumachen.
Was aber relativ schnell beobachten werden kann, ist die Zunahme von Insekten. Durch viele Blüten zwischen den Kulturen, in Zwischenfrüchten und im Kleegras werden Wildbienen und andere Krabbeltiere angelockt. Vor allem die großen grünen Heupferde beeindrucken mich immer wieder. Auch bunte Schmetterlinge haben wir viele. Zum Beispiel den mittlerweile seltenen Schwalbenschwanz, der seine Raupen gern im Fenchel groß werden lässt. Aber auch hier gilt: Die meisten Tiere sind auf dem ersten Blick eher unscheinbar und werden selten wahrgenommen. Sind deswegen aber nicht weniger wichtig und für das Ökosystem unverzichtbar. Ohne kleinere Insekten findet beispielsweise das räuberisch lebende Heupferd keine Nahrung und würde zu Grunde gehen. Ist es aber auf der Wiese, zeigt es gleichzeitig auch das Vorhandensein der unscheinbaren Insekten an.

Würdest du es als radikal bezeichnen, wenn ich sagen würde, dass nicht-bio Obst und Gemüse zum Untergang der Welt führen wird? Oder würdest du dem eher zustimmen? 

Diese Aussage ist keinesfalls radikal und ich würde sie sofort unterschreiben. Wir müssen ja nur mal über ein typisches konventionelles Feld gehen. Die dort vorhandenen Wild-Pflanzen und Tiere können wir an einer Hand abzählen. Durch Kunstdünger und Agrargifte und die damit einhergehende sinkende Vielfalt auf dem Acker ist die Insektenbiomasse ist innerhalb weniger Jahrzehnte dramatisch zurückgegangen. Diese Form der Landwirtschaft ist mit all ihren Emissionen vor allem auch der Massentierhaltung einer der Hauptverursacher des Klimawandels. Und gerade durch die chaotische Wettersituation mit der Dürre auf der einen Seite und Überschwemmungen nur 100km entfernt auf der anderen Seite, die wir dieses Jahr erleben, können wir ja erahnen, wo das alles noch hinführen kann.

Kannst du noch kurz darauf eingehen, wo der Unterschied zwischen bio- und bio-veganer Landwirtschaft liegt?

Der Hauptunterschied zwischen bio und bio-vegan liegt in der Stickstoffdüngung. Da hole ich gern etwas weiter aus: Im konventionellen Landbau wird chemisch-synthetisch hergestellter Stickstoff Dünger verwendet. Der muss mit ziemlich hohem Energieaufwand hergestellt werden. Dafür werden fossile, also endliche Ressourcen aufgebraucht. Durch Überdüngung entstehen Nebeneffekte wie Nitratanreicherung im Grundwasser, etc.
Im Ökolandbau wird dafür Kleegras, eine Mischung aus verschiedenen Kleearten und Gräsern, angebaut. Der Klee kann mit Unterstützung von Knöllchenbakterien Stickstoff aus der Luft aufnehmen, für Pflanzen verfügbar machen und auch im Boden fixieren. Das ist fast derselbe Vorgang wie in der Stickstofffabrik, nur findet er auf natürliche Art und Weise statt und verbraucht keine fossile Energie.
Im „normalem“ Biolandbau wird dieses Kleegras meist an Rinder verfüttert. Der Dung dann als Dünger auf die Felder ausgebracht.
Im bio-veganem Landbau können wir weder den Kleegrasanbau, noch die Kuh nicht einfach weglassen, wir müssen etwas kreativer sein. Das Kleegras bauen wir wie gehabt an, nur die Kuh ersetzen wir beispielsweise durch eine Biogasanlage, oder einen Komposthaufen.
Wichtig zu wissen ist immer: Die Kuh produziert ja keine Nährstoffe. Sie nimmt lediglich die im Futter vorhandenen Stoffe auf, verdaut sie und baut sie zu für die Pflanzen leichter verfügbaren Stoffen um. Doch das kann eine moderne Biogasanlage, oder ein Komposthaufen mindestens genauso gut. Zumal auch ohne Ausrülpsen des klimaschädlichen Methangases, was während der Verdauung im Magen der Kuh entsteht.

Für meine deutschen Leser, falls ihr mehr über den bio-veganen Hof von Daniel erfahren möchtet oder vielleicht sogar seine Kartoffeln – die er per Paket verschickt – bestellen möchtet, dann schaut gern mal bei ihm auf der Website vorbei: bio-hausmann.de

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